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"Gerechtigkeit und Frieden müssen sich küssen" – ein Plädoyer für soziale Erneuerung

KAB bei Demo gegen Sozialaabbau Saarbrücken am 26.09.2026
Datum:
28. Sept. 2026
Von:
Michael Hommer

Am 26.09.2026 hatte der DGB zu einem bundesweiten Protestmarsch gegen Sozialabbau eingeladen. An der Demo in Saarbrücken nahmen auch Mitglieder der KAB Neuwied St. Matthias teil. Dazu schreibt Diakon Michael Hommer ein Plädoyer für soziale Erneuerung: „Gerechtigkeit und Frieden müssen sich küssen“ :

"Die Auswirkungen der jüngsten Wahlen sind weiterhin deutlich spürbar. Seit dem Ende des Dritten Reiches war die Stabilität unserer Demokratie selten so stark gefährdet wie heute. Die Ursachen dieser Krise liegen jedoch nicht ausschließlich bei extremistischen Parteien und ihren populistischen Parolen; diese sind vielmehr Ausdruck tiefer liegender Entwicklungen.

Soziale Fragen führen zunehmend zu gesellschaftlichen Spannungen. Eine globalisierte Wirtschaft, die Menschen vorwiegend als Arbeitskräfte und Konsumenten betrachtet, wird dem Anspruch des Gemeinwohls nicht gerecht. Teile der Politik stützen diese Entwicklung, indem sie den Abbau sozialstaatlicher Leistungen als alternativlos darstellen. Dadurch geraten gerade jene Errungenschaften unter Druck, die über Jahrzehnte zu gesellschaftlichem Frieden und wirtschaftlichem Aufstieg beigetragen haben.

Die Ursachen der schwachen Konjunktur sind vielmehr auch in einer verfehlten Energiepolitik, unzureichenden Investitionen und ungeeigneten wirtschaftspolitischen Impulsen zu suchen.

Die Verantwortung dafür liegt nicht bei den Menschen, die das öffentliche und wirtschaftliche Leben täglich tragen – etwa Beschäftigten in der Stahlindustrie, Pflegekräften oder Polizistinnen und Polizisten. Gefordert sind vielmehr Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, deren Handeln die Interessen der Bevölkerung angemessen berücksichtigen und über kurzfristige Planungszeiträume hinausreichen muss.

Erforderlich ist ein grundlegendes Umdenken, wie es Bischof Ketteler und Adolph Kolping mit der katholischen Soziallehre angestoßen haben. KAB und Betriebsseelsorge stehen dabei solidarisch an der Seite der Gewerkschaften.

Die vor elf Jahren veröffentlichte Enzyklika „Laudato si‘“ besitzt weiterhin hohe Aktualität. Wegsehen ist keine verantwortbare Option; auch Parteiverbote allein lösen die zugrunde liegenden Probleme nicht. Notwendig ist eine neue globale Wirtschaftsordnung, die besonders Schutzbedürftige stärkt und leistungsfähigere Akteure ihrer Verantwortung entsprechend stärker einbindet.

Am 26. September 2026 brachten bereits 175.000 Menschen dieses Anliegen öffentlich zum Ausdruck. Im Mittelpunkt steht die Verantwortung für unser gemeinsames Haus. Dauerhafter innerer Frieden setzt eine gerechte Gesellschaft voraus.

„Gerechtigkeit und Frieden müssen sich küssen“ – darin liegt die Grundlage für eine tragfähige Zukunft. Ich bin überzeugt, dass uns dies mit Gottes Gnade gelingen kann.

Diakon Michael Hommer, Neuwied