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mahl ganz anders

Mir ist die anderthalbminütige Darstellung der Szene des Ölgemäldes innerlich nachgegangen: Wir verharrten 90 Sekunden lang in der Haltung der Jünger.
Der Jesus-Darsteller sitzt im Rollstuhl. Drei weitere Darsteller im fortgeschrittenen Alter beugen sich zu ihm.
Datum:
8. Apr. 2026
Von:
Josef Freise
Die 13 Laienschauspieler*innen sitzen vor der Matthias-Kirche an einer langen, mit weißen Tischdecken gedeckten Tafel.

Als einer der Laiendarsteller:innen bei der Abendmahlsszene von Leonardo da Vinci an vier Orten in der Neuwieder Innenstadt ist mir die anderthalbminütige Darstellung der Szene des Ölgemäldes innerlich nachgegangen: Wir verharrten 90 Sekunden lang in der Haltung der Jünger. Die Haltung drückte Angst, Ratlosigkeit und Ärger aus angesichts der Aussage Jesu, er werde verraten und müsse sterben.

Angst, Ratlosigkeit und Ärger sind Gemütszustände, die in unserer Gesellschaft angesichts von Kriegen, steigenden Energiekosten, wachsender Armut und Umweltzerstörung weit verbreitet sind. Mit Ostern verbindet sich die Hoffnung, dass ein völlig unerwarteter Neuanfang möglich ist. Diese Nachricht kann auch für Nichtchristen bedeutsam sein. Deshalb fand ich es sehr gelungen, die Osterbotschaft nicht nur in Kirchen, sondern auch auf öffentlichen Plätzen zu verbreiten.

Die christlichen Kirchen befinden sich in einem großen Transformationsprozess. Sinkende Mitgliederzahlen und fehlende finanzielle und personelle Ressourcen können einen Weckruf darstellen: Die Kirchen sind nicht nur für die eigenen Mitglieder da, sie haben eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. In der Offenen Gemeinde Heilig Kreuz haben wir das beispielsweise in der Zusammenarbeit mit der Neuwieder Tafel erlebt, die jetzt in die Innenstadt umzieht.

Wenn sich Christen in den immer kleiner werdenden Gemeinden innerlich zurückziehen, ist eine depressive Stimmung unausweichlich. Wenn sie sich aus ihrem Glauben heraus für den  Zusammenhalt aller in der Gesellschaft einsetzen, können sie spüren, wie sehr sie gebraucht werden. Denn wir alle, ob Christen oder Nichtchristen, haben die österliche Hoffnungsperspektive auf einen Neuanfang dringend nötig.

Josef Freise, Mitglied der Offenen Gemeinde Heilig Kreuz

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