Ulrich Oberdörster:Humanität und Friede

Im Brief des Paulus an die Römer heißt es: "Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden."
Im April nahm ich an einer Reise "Auf den Spuren von Albert Schweitzer" teil. Die Reise führte uns ins Elsass, an den Geburts- und Wohnort von Albert Schweitzer und auch nach Straßburg, wo er neben seinem Amt als Pfarrer ebenso als Organist und Musikwissenschaftler wirkte. Das Multitalent, der "Grand Docteur", der in Lambarene ein Hospital für die Armen aufbaute, erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Neben der Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 1952 erhielt er zuvor den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1951 verliehen. Hier ein Auszug aus seiner Ansprache:
"Ich nehme die Auszeichnung als Ermutigung für das, was ich in Schlichtheit und Demut für die Idee des Friedens tun will. Wir setzen unsere Hoffnung darauf, dass der Geist der Humanität, dessen wir bedürfen, in unserer Zeit wiederaufkomme. Der Geist der Humanität muss Tat werden überall, wo Friedlosigkeit herrscht. Der Geist der Humanität ist in der ganzen Welt in allen Menschen Herzen enthalten. Dass er sich entzünde, wagen wir zu hoffen."
Was konnte ich mitnehmen von meiner Reise und was kann ich weitergeben?
Albert Schweitzer war der erste, der die Formel "Ehrfurcht vor dem Leben" verwendete, um eine Ethik zu begründen, die er als elementar und universell bezeichnen wollte.
"Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."
Das war es, was seiner Meinung nach jedem Gewissen klar und unmittelbar auferlegt werden sollte. Hinter diesem Satz, der die Achtung vor dem eigenen Leben und dem Leben anderer zu zwei absolut untrennbaren Dingen macht, verbirgt sich weit mehr als ein ökologischer Gedanke. Und in seiner Rede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises ruft er seine Mitmenschen aktiv auf: "Was tust denn du in deinem Bereich für den Frieden? Wie sieht es in deinem Herzen aus? Lässt du den Geist des Friedens in ihm mächtig werden über den Geist der Welt?"
Schließen möchte ich mit einem schönen Zitat von Albert Schweitzer: "Mit gutem Beispiel voranzugehen ist nicht nur der beste Weg, andere zu beeinflussen, es ist der einzige."
Pfarrer Ulrich Oberdörster
Evangelische Kirchengemeinde Waldbreitbach