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Impulse
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Impulse
© Detlef Kowalski
Detlef Kowalski
:
ein Gegenüber
20. Juni 2026
"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will für ihn eine Hilfe machen, so etwas wie ein Gegenüber" Diesen Satz legt die Schöpfungserzählung in der Bibel Gott in den Mund (1. Buch Mose / Genesis, Kapitel 2, Vers 18). In diesem Satz ist das Urwissen aufgehoben, dass Menschen als Beziehungswesen angelegt sind und dass von uns nicht die Lebensleistung verlangt wird, alleine klarkommen zu müssen: Kurz vor ihrem 60. Geburtstag erhörte sie den beständig immer wieder inszenierten Antrag ihres langjährigen Lebensgefährten und heiratete ihn. Niemand in der Familie hatte mehr damit gerechnet, aber alle waren sehr gerührt. Sie war lange stolz gewesen auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit, war durch die Weltgeschichte gezogen und hatte viele Dinge ausprobiert. Von anderen wurde sie oft wie eine Getriebene wahrgenommen, unruhig und leicht chaotisch. Ihr Freund, mit dem sie jetzt schon viele Jahre zusammenlebte, tat ihr gut. Sie war ruhiger und ausgeglichener geworden. Sie wirkte auf einmal wie angekommen im eigenen Leben, handelte selbstbewusst und zielstrebig und bekam ihre Dinge gut auf die Reihe. Jetzt hatte sie sich entschlossen, die verbleibenden Jahre fest mit ihrem Partner verbunden zu bleiben, so dass sie auch füreinander volle Verantwortung übernehmen können. Wir sind für andere brauchbar und nötig und liebenswert geschaffen. Weil es nicht gut ist, allein zu sein, sollen wir auch nicht allein lassen. Als Menschen brauchen wir ein menschliches Gegenüber und eine Hilfe. Detlef Kowalski, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wied
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© Foto Kimmel, Linz
Lothar Anhalt
:
1 + 1 + 1 = 1
31. Mai 2026
Jeder Mathematiker würde diese Rechnung, vor allem das Ergebnis, nicht durchgehen lassen und als "falsch" markieren. Doch genau zu diesem Ergebnis kommen die christlichen Theolog*innen bei ihrer Lehre vom dreieinen Gott, der sogenannten Trinität. Der 31. Mai 2026 trägt den Namen Dreifaltigkeitssonntag. Dieses Fest, das in den christlichen Kirchen gefeiert wird, rückt diesen Gott einmal mehr in den Mittelpunkt und will uns etwas vom Geheimnis des Gottes erahnen lassen, wie in Gott Einheit und Vielfalt, Einssein und Gemeinschaft zusammengehören. Das wenige, was wir über diesen Gott wissen und sagen können, ist vielleicht nur das, dass er, der Eine, zugleich ein Gott der Beziehung ist – Vater, Sohn und Geist. Auch wenn man mit einer "mathematischen Formel" diesem Gott nicht wirklich näherkommen kann, heißt das für mich aber noch lange nicht, dass man mit ihm im Leben nicht rechnen darf. So geht es bei dem Fest letztlich nicht um einen Lehrinhalt, den es zu vermitteln gilt, sondern um eine Einladung, die Erfahrung von der Gegenwart Gottes zu machen. Die Bibel ist voll von Geschichten von Menschen, die wie auch immer eine Gotteserfahrung gemacht haben. Angefangen auf den ersten Seiten der Bibel mit Mose in der Erzählung vom brennenden Dornbusch, in dem sich dieser Gott JAHWE als der "Ich bin, der ich bin da" (Ex 3,14) offenbart. Besonders in Jesus hat Gott sein menschliches Angesicht gezeigt. In der Begegnung mit ihm sind sie mit dem Dreifaltigen in Berührung gekommen. Die Dreifaltigkeit Gottes weist uns behutsam darauf hin, nicht zu "einfach" von Gott zu denken und noch weniger zu sprechen. Letztlich ist Gott immer anders. Mehr … Weiter … Größer … und, ja, vor allem geheimnisvoll … Einzig(artig) halt, wie jeder Mensch einzigartig ist. Aber erfahren lässt sich Gott auch heute und jeden Tag neu. Das können sie mir glauben! Lothar Anhalt, Pfarrer der Pfarrei Linz an Rhein und Höhe St. Marien
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© Alexandra Bosbeer
Karin Wüst
:
Pfingsten - Kraft, die verbindet
24. Mai 2026
"Wer spricht eine andere Sprache als Deutsch und ist bereit darin einen Friedenswunsch zu formulieren, den wir für ein Projekt der ökumenischen Schulseelsorge aufnehmen?" – Es kamen über 30 Wünsche in unterschiedlichen Sprachen zusammen. In Arabisch, Persisch, Französisch, Chinesisch, Russisch, Ukrainisch, Indonesisch und mehr. Alle Beiträge werden miteinander verbunden zu Pfingsten präsentiert. Wer inspiriert ist, kann - angeregt von Yoko Ono’s Friedensbäumen - einen eigenen Wunsch hinterlassen, der über Pfingsten hinaus gesammelt wird. Schon beim Einladen und Aufnehmen der Wünsche geschah etwas: Schüler*innen fühlten sich gesehen mit ihrer Lebensgeschichte, für die ihre Sprache steht. Die Friedenswünsche wurden in Sprachen gesprochen, deren Herkunftsländer aktuell in kriegerischen Auseinandersetzungen miteinander stehen. Das Projekt macht deutlich: uns alle verbindet, egal von welcher Seite, in welcher Sprache und mit welcher Geschichte, der Wunsch nach Frieden. In der Pfingsterzählung der Bibel sind Menschen mit verschiedenen Religionen und Sprachen, Neugierige und Skeptiker*innen beteiligt. Die Veränderung passiert im Miteinander. Jede behält ihre eigene Sprache. Und sie verstehen sich. Unterschiede werden nicht aufgelöst, sondern bleiben bestehen. Die Geistkraft verbindet sie in ihrer Verschiedenheit. Hierin liegt die Kraft. Die Botschaft vom Frieden, der Wunsch nach Verbundenheit ist stärker. Pfingsten feiert die Vielfalt. Pfingsten lädt ein, Gottes Kraft zu vertrauen, die in der Fülle der Unterschiedlichkeit stark ist. Pfarrerin Katrin Wüst, Schulpfarrdienst David Roentgen Schule Neuwied
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© Martin Baertges
Regina Schmitz
:
Ermutigung und Aufstand
2. Mai 2026
In den vergangenen Wochen durfte ich wieder intensive Gespräche führen mit Menschen, die Notfallseelsorger*innen werden wollen. Was bringt jemanden dazu, etwas völlig Neues zu wagen, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten? Da ist eine Ahnung, eine Sehnsucht, nach einer besseren Welt, nach Sinn im Leben, nach …. In der Situation der Entscheidungsfindung bei anderen Rat zu suchen, kann hilfreich sein. Vielleicht ahnt auch jemand in meinem Umfeld, dass ich auf der Suche bin. Die Interessent*innen für die Notfallseelsorge erzählten fast alle davon, dass Familie, Bekannte ihnen diese Aufgabe zutrauen, ja, sie ermutigt haben, diesen neuen Weg zu gehen. Daraufhin haben sie es gewagt, aufzustehen, sich auf den Weg zu machen, sich zu bewerben. "Hab Mut, steh auf!" unter diesem Leitwort steht der 104. Katholikentag, der vom 13. bis 17. Mai in Würzburg stattfindet. "Hab nur Mut. Steh auf, er ruft dich!" lautet das vollständige Bibelzitat (Mk 10,49). Angesichts der Weltlage, der Entwicklungen in unserem Land ist dieses Leitwort gut gewählt. Statt Mutlosigkeit und Resignation, durch Ermutigung zum Aufstand: gegen Rassismus, für mehr Menschlichkeit, Zusammengehörigkeit, Akzeptanz und Respekt, gegenseitige Unterstützung. Jesus ruft einen jeden von uns in seine Nachfolge. Ermutigen wir einander, nicht nur auf dem Katholikentag, sondern bei der nächsten Gelegenheit. Damit aus Ohnmacht und Bequemlichkeit Engagement wird. Jeder noch so kleine Schritt zählt. Regina Schmitz, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Neuwied
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© Jörg Eckart
Jörg Eckert
:
Gottes Geist ermutigt zu Kritik, Selbständigkeit und Eigenverantwortung
25. Apr. 2026
Die Institution, in der junge Menschen einen großen Teil ihrer Zeit verbringen, ist die Schule. Was erleben dort Schüler*innen? Das völlige Fehlen von Autorität – das muss doch jeder selber wissen – oder eher die diktatorische Autorität – friss Vogel oder stirb? Ist Schule etwa "autoritär" und der/die Schüler*in dem System ausgeliefert und soll und muss schlicht "funktionieren"? Oder anders gefragt: Von welcher Autorität sprechen wir eigentlich? Der Psychoanalytiker Erich Fromm unterscheidet rationale von irrationaler Autorität. "Rationale Autorität hat ihren Ursprung in Kompetenz." Das beinhaltet ebenso, dass die rationale Autorität es zulässt, sich einer ständigen Kritik auszusetzen, ja, dass sie geradezu die ihr anvertrauten Menschen dazu auffordert, bei aller unterschiedlichen Zuweisung von Aufgabenbereichen, sich auf Augenhöhe und absolut wertschätzend zu begegnen, und sich gemeinsam auf den Weg des Lernens zu begeben. "Irrationale Autorität hat ihren Ursprung stets in der Macht." Diese Autorität schüchtert ein, sagt, dass es schon immer so war, arbeitet mit Angst und der Hilflosigkeit der Menschen und übt Macht aus: "Ich bin hier der Chef." Letztlich ist diese Art der Autorität menschenverachtend. Kritik ist dann absolut unerwünscht. Rationale Autorität beruht auf den Wert der Gleichheit aller Menschen. Die Lehrkraft besitzt zwar die Autorität – das Wissen und die Befähigung auf einem bestimmten Gebiet – die Kompetenz –, aber nutzt diese nicht zur Unterdrückung aus, sondern befähigt Schüler*innen "zu selbständigem Urteil, zu eigenverantwortlichem Handeln und zur Leistungsbereitschaft." (§ 1 SchulG RLP). Ich wünsche allen Schüler*innen nach 18 Jahren Lehrtätigkeit am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Neuwied, dass Ihnen Menschen begegnen, die sie kompetent und sachgerecht begleiten und fördern – auf Augenhöhe. Deshalb – und das gilt für jede*n - lasst Euch nicht unter das Joch der irrationalen Autorität verknechten, sondern seid kritisch, selbständig und eigenverantwortlich. "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." (Römer 8,15) Pfarrer Jörg Eckert, evang. Pfarrer im Kirchenkreis Wied
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© Alexandra Bosbeer
Katrin Wüst
:
Fremd sein
21. März 2026
Sicher sein, zur Ruhe kommen, Safe Space, beheimatet sein - einen Ort zu haben, an dem ich mich zu Hause, zugehörig fühle ist wichtig. Wie wichtig es ist, spüre ich schmerzhaft dann, wenn ich es nicht mehr habe. Wenn ich versuche mich in einem anderen Land, mit einer anderer Kultur und Tradition, neu zu beheimaten. In einem anderen Land, in einer anderen Region oder Stadt, die Arbeitsstelle oder Schule zu wechseln. Fremdheitsgefühl. Ich bin "die andere". Die mit der anderen Herkunft und Lebensgeschichte, die anders ist oder manches anders gelernt hat. In der Schule übe ich mit meinen Schüler*innen "Ambiguitätstoleranz". Aushalten, dass jemand anders anders ist, nicht wie ich, und dass das okay ist. Keine Bedrohung meiner Existenz, keine Kritik an mir, meiner Sexualität und Lebenseinstellung. Einfach nur anders. Das liebe ich sehr an meiner Arbeit. Die Vielfalt. Die Unterschiedlichkeit. Hier ist sie in jeder Klasse zu finden. Gerne mal eine Herausforderung. Aber immer eine Chance. Der kommende Passionssonntag trägt den Namen "Judika"“, Gerechtigkeit. Es ist für mich auch eine Frage der Gerechtigkeit, die anderen nicht aus dem Blick zu verlieren. Ich bin nicht fertig, wenn ich meinen Ort gefunden habe. Ich soll raus aus meiner Bubble. Ich verstehe es so, dass ich es mir nicht zu bequem machen soll. Ich soll auch fremd bleiben. Aus Gründen der Gerechtigkeit: So lange es Menschen gibt, die keinen sicheren Ort haben, die sich, da wo sie leben, nicht zu Hause fühlen, bleibe auch ich eine Fremde, eine von den anderen. Katrin Wüst, Pfarrerin im Schuldienst an der David Roentgen Schule, Neuwied
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