Lothar Anhalt:1 + 1 + 1 = 1

Jeder Mathematiker würde diese Rechnung, vor allem das Ergebnis, nicht durchgehen lassen und als "falsch" markieren. Doch genau zu diesem Ergebnis kommen die christlichen Theolog*innen bei ihrer Lehre vom dreieinen Gott, der sogenannten Trinität.
Der 31. Mai 2026 trägt den Namen Dreifaltigkeitssonntag.
Dieses Fest, das in den christlichen Kirchen gefeiert wird, rückt diesen Gott einmal mehr in den Mittelpunkt und will uns etwas vom Geheimnis des Gottes erahnen lassen, wie in Gott Einheit und Vielfalt, Einssein und Gemeinschaft zusammengehören.
Das wenige, was wir über diesen Gott wissen und sagen können, ist vielleicht nur das, dass er, der Eine, zugleich ein Gott der Beziehung ist – Vater, Sohn und Geist.
Auch wenn man mit einer "mathematischen Formel" diesem Gott nicht wirklich näherkommen kann, heißt das für mich aber noch lange nicht, dass man mit ihm im Leben nicht rechnen darf. So geht es bei dem Fest letztlich nicht um einen Lehrinhalt, den es zu vermitteln gilt, sondern um eine Einladung, die Erfahrung von der Gegenwart Gottes zu machen.
Die Bibel ist voll von Geschichten von Menschen, die wie auch immer eine Gotteserfahrung gemacht haben. Angefangen auf den ersten Seiten der Bibel mit Mose in der Erzählung vom brennenden Dornbusch, in dem sich dieser Gott JAHWE als der "Ich bin, der ich bin da" (Ex 3,14) offenbart. Besonders in Jesus hat Gott sein menschliches Angesicht gezeigt. In der Begegnung mit ihm sind sie mit dem Dreifaltigen in Berührung gekommen.
Die Dreifaltigkeit Gottes weist uns behutsam darauf hin, nicht zu "einfach" von Gott zu denken und noch weniger zu sprechen.
Letztlich ist Gott immer anders. Mehr … Weiter … Größer … und, ja, vor allem geheimnisvoll … Einzig(artig) halt, wie jeder Mensch einzigartig ist.
Aber erfahren lässt sich Gott auch heute und jeden Tag neu. Das können sie mir glauben!
Lothar Anhalt, Pfarrer der Pfarrei Linz an Rhein und Höhe St. Marien