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Detlef Kowalski:ein Gegenüber

Datum:
20. Juni 2026
Von:
Fixpunkt - Detlef Kowalski
Detlef Kowalski

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will für ihn eine Hilfe machen, so etwas wie ein Gegenüber"

Diesen Satz legt die Schöpfungserzählung in der Bibel Gott in den Mund (1. Buch Mose / Genesis, Kapitel 2, Vers 18). In diesem Satz ist das Urwissen aufgehoben, dass Menschen als Beziehungswesen angelegt sind und dass von uns nicht die Lebensleistung verlangt wird, alleine klarkommen zu müssen:

Kurz vor ihrem 60. Geburtstag erhörte sie den beständig immer wieder inszenierten Antrag ihres langjährigen Lebensgefährten und heiratete ihn. Niemand in der Familie hatte mehr damit gerechnet, aber alle waren sehr gerührt.

Sie war lange stolz gewesen auf ihre Unabhängigkeit und Freiheit, war durch die Weltgeschichte gezogen und hatte viele Dinge ausprobiert. Von anderen wurde sie oft wie eine Getriebene wahrgenommen, unruhig und leicht chaotisch. Ihr Freund, mit dem sie jetzt schon viele Jahre zusammenlebte, tat ihr gut. Sie war ruhiger und ausgeglichener geworden. Sie wirkte auf einmal wie angekommen im eigenen Leben, handelte selbstbewusst und zielstrebig und bekam ihre Dinge gut auf die Reihe. Jetzt hatte sie sich entschlossen, die verbleibenden Jahre fest mit ihrem Partner verbunden zu bleiben, so dass sie auch füreinander volle Verantwortung übernehmen können.

Wir sind für andere brauchbar und nötig und liebenswert geschaffen.

Weil es nicht gut ist, allein zu sein, sollen wir auch nicht allein lassen.

Als Menschen brauchen wir ein menschliches Gegenüber und eine Hilfe.

Detlef Kowalski, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wied